Tibet – auf dem Dach der Welt

Schneeland
Vermutlich hat Marco Polo Tibet nie bereist und auch nicht das „Dach der Welt“ besucht. Das „Schneeland“, so wird Tibet oft bezeichnet, besteht aus einer grandiosen Gebirgslandschaft: Versteppte Almen und schroffe, schneebedeckte Bergmassive durchzogen von türkisblauen Hochgebirgsseen prägen das Landschaftsbild. Neben Klosteranlagen und bäuerlichen Siedlungen findet der Reisende vor allem die Zeltlager der tibetischen Nomaden im Zentralmassiv des Himalajas. Der Alltag der Menschen, die in dieser abgeschiedenen, nur schwer zugänglichen Gegend leben, ist stark von den Gesetzen der Natur geprägt. Sie leben von dem wenigen, was die Region hergibt. Buttertee, Momos und getrocknetes Yakfleisch sind die bekanntesten Spezialitäten des Landes, Himalaja-Salz ein wichtiges Tauschmittel für die Nomaden in Zentraltibet.

Buttertee – mehr als ein Getränk
Buttertee ist mehr als ein Getränk: Er ist für die Tibeter sowohl ein Nahrungsmittel wie auch Alltagsmedizin. Jeder Tibeter besitzt seine eigene Teeschale. Arme Tibeter haben eine Teeschale aus Holz, bei reichen Tibetern besteht sie aus Steingut, Porzellan, Silber oder sogar Gold. Manche Teeschalen sind reich mit Glückssymbolen verziert. Gäste erhalten zur Begrüßung eine Schale Buttertee. Die Wahl der Schale sagt etwas über die Position des Gastes aus. Gäste aus niedrigem Stand erhalten lediglich eine Schale. Menschen mit hoher sozialer Stellung bekommen ihren Tee in einer Schale mit Ständer und Deckel gereicht.

Momos
Momo bedeutet eigentlich Brot. Doch haben die Momos mit dem, was wir unter Brot verstehen, nur wenig gemeinsam. Es handelt sich vielmehr um kleine, hauchdünne Teigtaschen, die traditionell mit Yakfleisch gefüllt sind und entweder gedünstet oder frittiert werden. Sie unterscheiden sich zum einen in ihrer Form und zum anderen in ihren Füllungen. In der Regel sind Momos mit Fleisch gefüllt, heute findet man jedoch in Tibet auch vegetarisch gefüllte Momos. Sie gehören traditionell zum tibetischen Mittagessen, bei dem man sie zusammen mit anderen Gemüse- und Fleischgerichten serviert. Dazu gibt es Reis oder Tsampa, einen dicken Gerstenbrei, der mit der Hand von den Tischgästen zu Kugeln geformt und dann gegessen wird.

Himalaja-Salz – das weiße Gold der Tibeter
Die türkisblauen Hochgebirgsseen waren lange die Schatzkammer der Nomaden Tibets, da sie den Menschen das begehrte Handelsgut Salz lieferten. Im Frühsommer zogen die Nomaden Richtung Norden zu den Salzseen und gewannen dort Salz. Dieser Vorgang war streng reglementiert und mit religiösen Ritualen verbunden. Um z.B. die Göttin des Salzes nicht zu erzürnen, durften nur Männer das Salz gewinnen. Auf Eseln wurde das Salz aus den nördlichen Hochgebirgsebenen nach Südtibet zu den Salzumschlagplätzen transportiert. Das Salz tauschten die Tibeter gegen Alltagsgegenstände und Gewürze, wie Pfeffer, Kreuzkümmel, Kurkuma, Kardamom, Koriander und Bockshornklee. Zwiebel, Ingwer und Chili gehören ebenfalls an tibetische Gerichte, jedoch ist das Essen nicht ganz so scharf wie in den Nachbarnländern Tibets.

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