China - Zhejiang
Leben im Überfluss

Wie im Paradies
Marco Polo reiste als Gesandter des Großkahns äußerst bequem: An den großen Hauptstraßen im Riesenreich des Kublai-Khan befanden sich im Abstand von 25 bis 30 km Stationen, die Jamb oder Posthäuser genannt wurden. In diesen wechselte Marco Polo seine Pferde, ließ sich bewirten und übernachtete in komfortabel eingerichteten Räumen. Zum Teil waren die Zimmer mit Seide tapeziert und boten alles, was für Persönlichkeiten von Rang unentbehrlich war. Im ganzen Reich sollen mehr als zehntausend solcher Posthäuser unterhalten worden sein und mehr als zweihunderttausend Pferde standen hier den im Auftrag des Großkhans Reisenden zur Verfügung. Marco Polo beeindruckten die Organisation und Verwaltung des Großreiches sehr.

Im Land von Reis und Fisch
Ganz im Osten des heutigen Chinas liegt das „Land von Fisch und Reis“. Das milde, subtropische Klima und die ertragreichen Böden boten den Menschen stets mehr als nur ihre Grundnahrungsmittel Reis, Bohnen und Getreide. Obst und Gemüse konnten hier das ganze Jahr über geerntet werden. In den unzähligen Seen und den vielen großen und kleinen Flüssen lebten zu Marco Polos Zeiten zahllose Fische. Fisch war eine der wichtigsten Eiweißquellen in dieser Region. Reis, auch damals schon das Grundnahrungsmittel Nummer eins, wurde von hier aus insbesondere in den Norden des Reiches exportiert. Die Gerichte waren sehr abwechslungsreich, da die Menschen Lebensmittel im Überfluss hatten.


Die Küche Zhejiangs gilt als „zurückhaltend“
Trotz oder gerade aufgrund der Menge und großen Auswahl an Nahrungsmittel hat sich im Vergleich zur übrigen chinesischen Küche ein bescheidender und zurückhaltender Kochstil entwickelt. In der Küche der Region Zhejiangs stehen die Lebensmittel selbst im Mittelpunkt. Um die Frische und Natürlichkeit der Produkte zu erhalten, werden die Lebensmittel vor allem schonend zubereitet. Meist werden die Speisen nur im Wok angebraten oder gedämpft. Auch starkes Würzen wie in der Küche Sichuans ist in Zhejiang unüblich. Mildes und dezentes Abschmecken gibt den Gerichten eine natürliche Note und zeichnet die Küche dieser Region Chinas aus.

Süß-sauer hat hier Tradition
Reiswein, Essig und Zucker gehören an nahezu jedes Gericht aus Zhejiang. Ingwer, Knoblauch und Pfeffer runden den süß-sauren Geschmack der Speisen ab. Einige Gerichte besitzen eine dezente Schärfe, die durch vorsichtiges Würzen mit etwas Chilipulver oder Sambal entsteht. Auch mit Zimt und Sternanis werden pikante Gerichte abgeschmeckt. Mit Öl ist der heimische Koch in dieser Region Chinas nicht sparsam. Neben dem Braten in neutral schmeckenden Ölen ist das Beträufeln der Speisen mit Sesam- oder Chiliöl sehr verbreitet und typisch für die Küche Zhejiangs.

zur Übersicht