China – Peking
Die hohe Kunst der Palastküche

Treffen mit dem Großkahn
Nach vierjähriger Reise erreichten Marco Polo, sein Vater und sein Onkel endlich den Palast des Großkahns. Der Großkahn Kubilai empfing die drei venezianischen Kaufleute mit allen Ehren. Sie übergaben Kubilai den päpstlichen Brief und das Öl aus der Lampe des Heiligen Grabes. Der Großkahn war von dem Wissen und den Erfahrungen der drei Venezianer sehr angetan. Besondere Notiz nahm er von Marco Polo, den er zu seinem Gesandten machte und ihn mit seinen Aufträgen durch sein Reich und in andere Ländern reisen ließ.

Canbaluc – das heutige Peking
Die Residenzstadt Canbaluc, das heutige Peking, war mit 1,2 Millionen Einwohner eine der bedeutendsten Städte der damaligen Zeit. Sie war von einer 40 km langen Mauer umgeben, in der sich 12 Stadttore befanden. Innerhalb der schachbrettartig angelegten Stadt befand sich der Palast des Großkahns, der von einem doppelten Ring hoher Mauern umgeben war. Nicht nur der Reichtum und Luxus im Palast hat Marco Polo stark beeindruckt, sondern vor allem die Stadt und ihre Bevölkerung. In ihr waren Chinesen, Mongolen, Türken, Perser, Araber und die verschiedensten zentralasiatischen Völker zu Hause und lebten friedlich miteinander. Das ständige Kommen und Gehen der Händler aus allen Teilen der Welt sowie der Handel mit den erlesensten Gütern und Kostbarkeiten zeigten die Macht des Herrschers und die Bedeutung der Stadt. Von dem alten Canbaluc ist im modernen Peking heute nichts mehr zu sehen. Schon im 15. Jahrhundert, während der Ming-Dynastie, wurde die alte Stadt völlig zerstört und auf ihr die „Verbotene Stadt“ errichtet.


Die Herrscher beeinflussten die Kochkunst
Die Pekinger Palastküche zeichnet sich durch ein hohes Maß an Perfektion aus. Jeder Herrscher holte sich die berühmtesten Köche aus den verschiedenen Provinzen an den Hof. Es war jedem Kaiser wichtig, dass Kochen und Genießen als ein Stück Kultur und Identität mit ihm in die Geschichte des Landes einging. So führte z. B. der Großkahn Kubilai den „Mongolischen Feuertopf“ in Peking ein. Auch den Wok, den wir heute als festen Bestandteil der chinesischen Küche betrachten, sollen die Mongolen aus ihrer Heimat mit nach Peking gebracht haben. Da sich die kaiserlichen Köche stets unters Volk gemischt haben, erheben sich die diversen Kochstile des Riesenreiches in Peking zur kulinarischen Extraklasse. Alle Regionen Chinas sind noch heute in der Hauptstadt mit Restaurants und Lokalen vertreten.

Von höllisch scharf bis süß-sauer
In einer Stadt, in der seit alters her soviel Handel betrieben wird, wie in Peking, ist das Angebot an Gewürzen äußerst vielfältig. So liegt der Schluss nahe, dass in der chinesischen Küche schon immer abwechslungsreich gewürzt wurde. Heute findet man neben süß-sauren Gerichten, die mit Ingwer, Sternanis, Zimt, Sojasauce, Reiswein und -essig sowie Zucker und Salz abgeschmeckt sind, auch Gerichte, die höllisch scharf sind. Die Scharfmacher sind neben Sichuanpfeffer, Currymischungen und Paprika vor allem Chili. Die bekannteste chinesische Gewürzmischung ist die Fünf-Gewürz-Mischung. Sie besteht in der Regel aus Sternanis, Zimt, Nelken, gemahlenen Fenchelsamen und Sichuanpfeffer. Sie hat einen würzig scharfen Geschmack und durch den Fenchelsamen eine leicht lakritzartige Note. Diese Gewürzmischung sollte ebenso wie Sojasauce und Reiswein bei keinem Liebhaber der chinesischen Küche fehlen.

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