Mongolei
Ein paar Tropfen Kumis für die Götter

Mongolei – grünes Meer aus Gras
Nachdem Marco Polo, sein Vater und sein Onkel die Mongolei erreicht hatten, waren sie ihrem Ziel schon sehr nahe und hatten den gefährlichsten Teil in Reise überstanden. Sie machten Halt in dem heutigen Denhuang. Diese Stadt mit dem Beinamen „Jadetor“ verbindet China mit Zentralasien. Südlich der Inneren Mongolei in der heutigen Stadt Ganzhou blieben die Polos mehr als ein Jahr. Warum sie sich hier so lange aufhielten, ist bis heute nicht ganz klar. Vermutlich warteten sie auf Erlaubnis des Großkahns Khubilai zur Weiterreise. Vergleicht man Marco Polos Reisebericht mit der heutigen Mongolei, hat sich nicht sonderlich viel verändert. Soweit das Auge reicht, sieht man ein grünes Meer aus Gras. Die Steppe ist nur dünn besiedelt. Neben den Nomaden und ihren Viehherden leben Wildpferde, so groß wie Ponys, in der weiten Steppenlandschaft der Mongolei.

Ein Volk von Reitern
Während sich die Männer um die Jagd, die Falkenbeize, das Vieh, insbesondere die Pferdezucht, aber auch Schaf- und Ziegenhaltung kümmern, führen die Frauen den Haushalt und betreiben Handel. Sie sind daher zu einem Großteil für den Wohlstand der Familie verantwortlich. Ihre Hauptnahrungsquelle ist Fleisch. Zum einen essen Mongolen Wild, wie z. B. Kaninchen, aber auch Pferde-, Kamel-, Ziegen- und Schaffleisch. Sie trinken Kumis, leicht angegorene Stutenmilch mit süßlichem Geschmack. Aus ihr und der Milch von Ziegen und Schafen wird Käse und Yoghurt gewonnen. Getreide, Gemüse und Obst sind ebenso wie Gewürze Luxusartikel. Sie werden in kleinen Mengen dazu gekauft und mit ihnen wird äußerst sparsam gekocht.

Kein Essen ohne Opfergabe
Vor jeder Mahlzeit ehren Mongolen ihre Götter: Dazu schnippt die Hausfrau einige Tropfen Kumis vor der Jurte, dem Rundzelt, in die Luft. Mit diesem Ritual wird den Götter gedankt und um einen reichhaltig gedeckten Tisch auf lange Zeit gebeten. Zum Essen versammelt sich die Familie um ein ausgebreitetes Tuch oder einen niedrigen Tisch. Mit überkreuzten Beinen sitzen die Familienmitglieder auf Kissen. Das Essbesteck sagt etwas über den Stand und Reichtum der Familie aus. Ohne Besteck oder mit einem Holzlöffel kommen die einfachen Nomaden aus, Silber- oder gar Goldbesteck ist dem Adel vorbehalten. Auch die Gerichte selbst sagen etwas über den Stand in der Gesellschaft aus. So können sich den weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten mongolischen Feuertopf nur die wirklich Reichen leisten, lange Zeit galt er als Festtagsessen.

Gewürze aus China geben den Gerichten eine würzige Note
Für die Mongolen sind traditionell die Chinesen die wichtigsten Handelspartner. Die Mongolen tauschten ihre Waren, wie z. B. Felle, unter anderen gegen Lebensmittel und Gewürze. In ihrer Küche ist durchaus ein chinesischer Einfluss zu entdecken. Typische chinesische Gewürze wie Sojasauce, Pfeffer, Ingwer oder Sternanis und Gemüse wie Kohl, Frühlingszwiebeln, Möhren, Gurken, Bambussprossen, Sojasprossen und Wasserkastanien finden in der mongolischen Küche Verwendung.

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