Kirgistan
3. Teil der Serie

Unwegsame Pässe
Nachdem die Polos am Rande von Wüsten weiter Richtung Osten gezogen waren, galt es für sie das Pamirgebirge zu überqueren. In diesem zentralasiatischen Hochgebirge, das auch als Dach der Welt bezeichnet wird, treffen Kunlun, Karakorum, Himalaja und Hindukusch zusammen. Seine höchsten Berge sind über 7 000 Meter hoch. Das Pamirgebirge ist reich an Bodenschätzen, insbesondere an Edelsteinen, wusste Marco Polo zu berichten. Nur eine kleine Oberschicht jedoch konnte aus den Bodenschätzen Gewinn und Reichtum ziehen. Die karge Landschaft zeichnet sich durch schroffe, felsige Gebirgsmassive und Hochweiden aus. In den Hochtälern findet man an den Seen und nahe den Flussläufen wenig fruchtbares Ackerland. Viele Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt als Hirten, die mit großen Schaf- oder Ziegenherden die Sommermonate über auf den Hochweiden leben. Marco Polo berichtet in seinem Reisebericht nicht nur von der Armut der Menschen, sondern vor allem über ihre Gastfreundlichkeit.


In der kleinsten Jurte ist Platz für alle
Gastfreundschaft wird bei den Kirgisen groß geschrieben. Für sie ist es eine Selbstverständlichkeit und Ehre einen weit Gereisten bewirten zu können. Die Hirten laden den Fremden in ihre Jurten ein. Es handelt sich dabei um ein Rundzelt, dessen Holzstangen kreisförmig aufgestellt und mit Filz bespannt werden. In der Jurte haben die Frauen das Sagen und draußen sind die Männer die Chefs. Eine ganze Familie lebt in einer Jurte. In ihrem engen Raum läuft ein Großteil des Lebens ab, es wird in ihr geschlafen, gekocht und gegessen. In der Mitte der Jurte brennt ein Feuer, der Rauch zieht durch ein Loch in der Spitze ab. Über dem offenen Feuer hängt ein Kessel, aus denen der Duft kräftiger Eintöpfe dampft. Gegessen wird aus Schalen, aus denen man die Suppe schlürft. Ein Löffel ist nicht unbedingt erforderlich. Er ist ein Zeichen von Reichtum und zeigt die soziale und finanzielle Stellung des Gastgebers. Traditionell trinken die Kirgisen Tee ohne Milch und Zucker. Im Sommer wird zum Essen Kumis, vergorene Stutenmilch, gereicht.


Besonderheiten der kirgisischen Küche
Das Nahrungsmittel Nr.1 ist in Kirgistan Fleisch. Ziegen, Schafe und Pferde sind die Fleischlieferanten; zu den Fleischgerichten werden Fladenbrot oder selbst gemachte Nudeln gegessen. Kartoffeln, Gemüse und Obst sind in dieser Region Mangelware. Traditionell sammeln die Frauen und Kinder den Sommer über Wurzeln, Kräuter und Beeren. Gemüse- und Obstanbau ist in dieser Region nur bedingt möglich. Durch das Nomadentum sind Kenntnisse über den Anbau von Früchten in der Kultur nur wenig verankert.
Viele der Fleischgerichte werden nicht mit frischem, sondern aus getrocknetem Fleisch zubereitet. Mit Trocknen und Salzen lässt sich ohne moderne Technik das Fleisch haltbar machen. Die angelegten Vorräte können dann leicht auf den Wanderungen mitgenommen werden. Ein geschlachtetes Tier wird von Kopf bis Fuß vollständig verwertet, da es sich die Menschen in Kirgistan nicht erlauben können, Fleisch verderben zu lassen.


Gewürze aus der Natur
Die Nomaden in Kirgistan sind Selbstversorger. Sie leben von dem, was sie selbst herstellen, anbauen oder sammeln können. Die Möglichkeiten des Tauschens oder Verkaufens und Einkaufens von Waren sind nur beschränkt möglich. Die Anzahl der Gewürze ist daher sehr klein; man kennt Salz und Pfeffer, aber die Vielfalt der Gewürze wie im benachbarten Orient ist unbekannt. In der Natur finden die Nomaden Bärlauch, Zwiebeln und Knoblauch sowie andere uns unbekannte Wildkräuter. Süßspeisen sind Luxus. Die Süße der Gerichte ergibt sich aus der Eigensüße der gesammelten Früchte oder es wird mit Honig gesüßt. Zucker dagegen kennen die Einheimischen in den Hochgebirgsregionen nicht.

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